FAQs

Meine Hausbaufirma besteht auf ein Baugrundgutachten, mein Nachbar hat aber ohne selbiges gebaut. Wie wäre nun das optimale Vorgehen?

DIN 4020 zufolge muss der Architekt eines jeden Bauvorhabens fristgerecht auf die Notwendigkeit einer geotechnischen Untersuchung bzw. auf die Erstellung eines Baugrundgutachtens hinweisen. Unzureichende Baugrunduntersuchungen führen oft zu Bauschäden (während und nach dem Bau), Gefährdungen für die öffentliche Sicherheit und können sogar Ihre eigene Sicherheit sowie die ihrer Nachbarn gefährden. Des Weiteren können die Bodeneigenschaften lokal sehr stark variieren, sodass beim Grundstück ihres Nachbarn eine gänzlich unterschiedliche Baugrundsituationen herrschen kann als bei Ihnen.


Mein Grundstücksverkäufer verwehrt mir eine geotechnische Erkundung und hält es für unnötig!

Es empfiehlt sich nicht ein Grundstück zu kaufen, ohne vorher eine Baugrund-und/oder Altlastenerkundung erstellen zu lassen. Im schlimmsten Fall können nach erfolgtem Kauf unerwartet hohe Mehrkosten auf Sie zukommen. Hier sollten Sie noch einmal auf den Verkäufer zugehen und eine Lösung finden. Schließlich tragen Sie in diesem Fall das Risiko allein.


Im Rahmen der Gesamtplanung wurde für das Baugebiet ein Baugrundgutachten erstellt. Ist das nicht ausreichend?

Wahrscheinlich sprechen Sie von einem Erschließungsgutachten. Dieses bezieht sich jedoch überwiegend auf die Erschließung der gesamten zu bebauenden Fläche (Wohn- und/oder Industrie- und Gewerbeflächen). Hier werden die Aufschlüsse (Bohrungen. Baggerschürfe, etc.) meist flächig verteilt und stellen lediglich eine grobe Orientierung dar. Für Gründungen von Bauwerken der Geotechnischen Kategorie GK 2 und GK 3 sind projektbezogene geotechnische Berichte nach DIN 4020 zu erstellen. Diesen Vermerk finden Sie vermutlich in jedem Erschließungsgutachten.


Wie lange dauert es, bis die Ergebnisse des Geotechnischen Berichts vorliegen?

Die Geländearbeiten finden nach Auftragsbestätigung meist innerhalb der nächsten zwei Wochen statt. Im Anschluss können bereits wichtige Informationen an Planer und/oder Bauherrenschaft weitergegeben werden. Die schriftliche Ausarbeitung erfolgt in den Folgewochen. Die Bearbeitungszeit hängt stark von der Komplexität des Bauvorhabens sowie von evtl. weiteren geotechnischen Arbeiten ab. Bei Angebotsabfrage geben wir Ihnen gerne Auskunft über die Bearbeitungszeit. Wir bitten um Verständnis, dass wir hier keine pauschalen Angaben machen können, denn jedes Bauvorhaben ist individuell und erfordert eine Einzelfallbetrachtung.


Was beinhaltet unser Geotechnischer Bericht?

Es handelt sich um einen umfangreichen, ausformulierten Bericht mit u.a. folgenden Themengebieten:

• Beschreibung der Standortgegebenheiten

• Beschreibung der angetroffenen geotechnischen und hydrogeologischen Verhältnisse

• Angaben zu Homogenitätsbereichen,

• Angaben zu den bodenmechanischen Parametern

• Angabe von Kennwerten für erdstatische Berechnungen

• Angaben zur zulässigen Belastung der Baugrundschichten/Angaben zum Bemessungswert des Sohlwiderstands

• Gründungsempfehlung mit Grundbruch-/Setzungsberechnungen

• Standsicherheitsberechnung freier Böschungen (optional)

• Angabe zur Bauwerksabdichtung

• Angabe zur Frostempfindlichkeit der anstehenden Böden

• Empfehlung zur bodenmechanischen Wiederverwendbarkeit anfallender Aushubmassen

• Angaben zur abfalltechnischen Wiederverwertung/Entsorgung anfallender Aushubmassen (optional)

• Angaben zur Versickerungsfähigkeit des Erdreichs (optional)

• Angaben zur geothermischen Nutzbarkeit am Standort (optional)

• Angaben zur Radongasbelastung am Standort (optional)


Ich möchte unterkellert bauen! Gibt das Gutachten auch Auskunft darüber welche Kellerabdichtungen notwendig sind?

Ja, das Baugrundgutachten beinhaltet eine Untersuchung der Grund-/Hoch- und Stauwassersituation, woraufhin wir Ihnen Angaben zu den erforderlichen Abdichtungsmaßnahmen (nach DIN 18533) für Ihr erdberührtes Bauwerk/-teil machen.


Mein Bauprojekt soll einen Keller bekommen, dafür muss ich Boden zur Deponie fahren. Können Sie die dafür nötigen Bodenanalysen bereitstellen?

Eine Bodenanalyse gemäß VwV Boden und/oder Deponieverordnung, sowie eine Einstufung bezüglich der fachgerechten Wiederverwertung oder Entsorgung kann bei uns auf Wunsch im Rahmen der Baugrunderkundung ebenfalls durchgeführt werden.


Einstufung von Erdaushub

Fällt auf der Baustelle viel Erdaushub an (der nicht vor Ort wiederverwendet werden kann) verlangt die Annahmestelle eine Einstufung des Bodens hinsichtlich der Schadstoffgehalte. Eine Einstufung gemäß VwV Boden und/oder DepV wird dann notwendig. Grundsäzlich gilt, dass eine Verwertung von Bodenmaterial der Deponierung/Entsorgung vorzusehen ist. Aus diesem Grund prüft man (in BW) die Schadstoffgehalte gemäß der VwV Boden und erhält eine Einstufung in Z-Klassen. Die Z-Klassen reichen von Z0 bis Z2 und stellen die Qualität des Bodenmaterials dar. Wird der Z2-Grenzwert aufgrund zu hoher Schadstoffgehalte übertroffen oder handelt es sich womöglich nicht nur um reines Bodenmaterial (erhöhter Fremdanteil wie Ziegel-, Asphalt-, Betonbruch oder andere Abfälle vorhanden), so wird der Aushub gemäß der DeponieVerordnung (Deponie-Klassen) eingestuft.


Muss ich einen offiziellen Lageplan haben oder reicht eine Übersicht über das Baugebiet?

Ein Lageplan mit Flurstücksnummer bzw. eine Konstruktionsdatei im DXF/DWG-Format ist natürlich ideal. Eine Übersichtskarte mit deutlich gekennzeichnetem Grundstück ist aber auch ausreichend. Alle weiteren Datenuntersuchungen sowie Vermessungen bezüglich der Bohrpunkte führen wir dann mit Hilfe unseres GIS-Systems im Büro durch. Dadurch können wir vor Ort unmittelbar mittels präzisem GPS die Bohrpunkte, sowie deren Höhenlage einmessen und mit den Bohrungen beginnen.


Die Projektierung ist noch nicht so weit fortgeschritten, dass ich einen Grundriss besitze. Kann ich das Gutachten dennoch in Auftrag geben?

Ja, ein Geotechnischer Bericht wird immer so früh wie möglich empfohlen. Der optimale Zeitpunkt dafür wäre wohl vor dem Kauf des Grundstücks bzw. viel mehr, sobald Sie mit der Projektierung beginnen. Dadurch können im Vorfeld sehr kostenintensive Gründungsformen (z.B. aufgrund schlechter Baugrundverhältnisse) festgestellt werden oder anderweitige kostenbeeinflussende Faktoren bei der Planung berücksichtigt werden.


Wie viele Bohrungen werden bei einer Untersuchung durchgeführt?

Die Anzahl der Bohrpunkte richtet sich nach der Größe des Bauwerks und den standortspezifischen Merkmalen (Topographie, erwartete Geologie, etc.). Im Fall eines Einfamilienhauses werden mindestens drei, im Normalfall vier Bohrungen durchgeführt. Weniger als drei Bohrungen sind grenzwertig, da allein aus mathematischer Sicht keine Fläche im Untergrund „aufgespannt“ werden kann.


Warum bieten manche Firmen nur 2 Bohrungen zur Erkundung an?

Das verstehen wir leider selbst nicht so genau. Es handelt sich hierbei bereits um ein mathematisches Problem. Mit 2 Bohrungen kann man keine Fläche aufspannen um einen Schichtverlauf bzw. eine Schichtgrenze zu detektieren. Nur mit mindestens 3 Bohrungen ist eine Verkippung von Bodenschichten (insbesondere im Hanggefüge oder in Flusstälern) detektierbar. Wird eine solche Verkippung nicht erkannt, können bei gleicher Gründungstiefe unterschiedliche Baugrundeigenschaften vorliegen und damit Differentialsetzungen eintreten, was im schlimmsten Fall zu einer Rissbildung und/oder Bauwerksschäden führt.


Muss ich vor Ort sein, wenn die Geländearbeiten ausgeführt werden?

Das ist nicht nötig. Wir haben im Normalfall bereits alle nötigen Informationen dabei, sodass wir unsere Arbeit auch ohne Ihre Anwesenheit durchführen kann. Wenn Sie möchten, können Sie aber unter der Prämisse einer flexiblen Terminabsprache mit dabei sein. Diese kurzfristige Absprache ist erforderlich, weil die Arbeitszeit im Gelände nicht immer genau vorhersehbar ist und die Anfahrtszeiten gerne mal variieren können.


Wird vor Ort ein Stromanschluss benötigt?

Nein, wir können unsere Gerätschaften selbst mit Energie versorgen.


Wozu dient eine Rammsondierung (RS)?

Rammsondierungen nach DIN EN ISO 22476-2 (2007) dienen der Untergrunderkundung und ermöglichen z.B. bei Baugrunduntersuchungen eine Bestimmung der Festigkeit und/oder Lagerungsdichte. Hierbei handelt es sich um eine indirekte Messmethode. Bei einer RS wird eine Sondenspitze mithilfe eines Fallgewichts aus festgelegter Höhe in den Untergrund geschlagen. Dabei wird wiederholt die für 10cm Eindringtiefe benötigte Schlagzahl protokolliert. Unterschieden wird hier zwischen drei verschiedenen RS Typen, die je nach zu erwartendem Untergrund angewandt werden können:

• Die leichte Rammsondierung [DPL] mit einem Gewicht von 10 kg.

• Die mittelschwere Rammsondierung [DPM] mit einem Gewicht von 30 kg.

• Und die schwere Rammsondierung [DPH] mit einem Gewicht von 50 kg.

Mit unserem mobilen Sondiergerät gelangen wir in Aufschlusstiefen von bis zu 15+ Metern. Ziel dieser Untersuchungen ist es, Rückschlüsse auf die Festigkeit/Lagerungsdichte und damit die Tragfähigkeit des Bodens ziehen zu können.


Was ist eine Rammkernsondierung (RKS)?

Eine Rammkernsondierung nach DIN EN ISO 22475-1 (2007) dient zur Erkundung des Baugrundes und zur Gewinnung von Bodenproben (direkte Messmethode).Hierbei wird eine (hohle) Kernsonde (Ø 80 – 60 – 50 – 40 mm)in den Untergrund gerammt und nachfolgend einschließlich der Probe wieder gezogen. Mithilfe dieses nur gering invasiven Kleinbohrverfahrens kann anschließend der Bodenaufbau begutachtet, sowie Aussagen über die Schichtenfolge getätigt werden. Zusätzlich führen wir optional mithilfe der gewonnenen Proben bodenmechanische Versuche und chemische Untersuchungen (z.B. auf Schadstoffe) im Labor durch. Alternativ hierzu kann auch mit Baggerschürfen gearbeitet werden – diese erfordern allerdings die Anwesenheit eines Baggerfahrers mit Bagger und sind aufgrund der Größe deutlich invasiver als Kleinbohrungen. Durch die bauseitige Organisation ist die zeitliche Umsetzung von Baggerschürfen meist nicht so schnell/flexibel und nicht so kostengünstig umsetzbar wie mit dem eigenen Bohrteam der IWE. Weiterhin ist die Aufschlusstiefe in Abhängigkeit der Baggergröße begrenzt. Der Flurschaden ist bei Baggerschürfen ebenso um ein Vielfaches größer.


Was versteht man unter Bodenphysik?

Bei der Bodenphysik handelt es sich um ein Teilgebiet der Bodenkunde, welches mit Hilfe physikalischer Labormethoden Zusammensetzung und Art von Böden, Bodenwasser und Bodenluft untersucht. Die Bodenmechanik gehört ebenfalls zur Bodenphysik.

I. Wassergehalt

Der Bodenwassergehalt definiert sich als Menge des im Boden vorhandenen Wassers. Angegeben wird er als Volumen des Wassers pro gesamtes Volumen des Bodens. Der Bodenwassergehalt beeinflusst den Austausch von Wasser, Nährstoffen und Energie zwischen Boden, Vegetation und Atmosphäre. Bei vollständiger Sättigung ist das gesamte Porenvolumen, bzw. die Hohlräume des Bodens, mit Wasser gefüllt.

II. Konsistenz und Lagerungsdichte

In der Geologie beschreibt die Konsistenz die Beschaffenheit bindig-lehmiger Böden, welche in Abhängigkeit vom Wassergehalt bewertet wird. Hierbei wird zwischen vier verschiedenen Konsistenzbereichen unterschieden. Diese sind fest – halbfest – steif – weich. Durch diese Bereiche kann der momentane Zustand aller in der Natur vorkommenden Feinböden erfasst werden. Sie ist ein bedeutsames Kriterium für die Belastbarkeit von Böden. Bei nichtbindigen, gemischtkörnigen Böden (z.B. Kies-Sand-Gemische) spricht man nicht von Konsistenz, hier liefert die Lagerungsdichte Auskunft über die Eigenschaften des Bodens. Die Lagerungsdichte wird in sehr dicht – dicht – mitteldicht – locker eingeteilt.

III. Korngrößenverteilung durch Sieb-Schlämm-Analysen

Die Korngrößenverteilung kann mithilfe einer Sieb-Schlämm-Analyse gemäß DIN 18123 bestimmt werden. Dank der Siebanalyse kann schließlich auch seine Wasserdurchlässigkeit, u.a. seine Tragfähigkeit und seine Frost-/Erosionsempfindlichkeit bestimmt werden. Ein Boden setzt sich aus folgenden Kornfraktionen zusammen:

• Steine >63 mm

• Kies: 2 – 63 mm

• Sand: 2 – 0,063 mm

• Schluff: 0,063 – 0,002 mm

• Ton: < 0,002 mm

Im Übrigen kommen diese Kornfraktionen in der Natur selten in reiner Form vor, sondern stets als Gemische. Anhand des Verhältnisses dieser Kornfraktionen können dann die Eigenschaften und die Bodenart eines Bodens bestimmt werden. Mithilfe der Korngrößenverteilung kann der kf-Wert (Durchlässigkeitsbeiwert) für die Bestimmung der Versickerungsfähigkeit abgeleitet werden.


Sickerversuche mit Baggerschurf

Die Versickerungsfähigkeit des Erdreichs kann neben der Ableitung mittels Bodenphysik auch an Ort und Stelle mittels Sickerversuch getestet werden. Hierfür wird mittels Baggerschurf eine Grube in der projektierten Sickertiefe ausgehoben und mit Wasser aufgefüllt. Vereinfacht gesprochen wird dann die versickerte Wassermenge in einem Zeitintervall erfasst. Daraus lässt sich der kf-Wert am Untersuchungsstandort direkt berechnen. Der Nachteil des direkten Sickerversuchs ist die Vorhaltung von Wasser (ca. 2000 l) sowie eines Baggers zum Aushub der Grube. Je nach Versickerungsfähigkeit des Bodens kann der Versuch auch längere Zeit in Anspruch nehmen. Insgesamt ist dieses Vorgehen als sehr genau, aber auch als aufwändig und kostenintensiver zu betrachten.


Um Kosten zu sparen habe ich die Erdarbeiten in Eigenarbeit erbracht. Können sie einen Nachweis für unsere Hausbaufirma liefern, dass die Aufschüttung ausreichend verdichtet ist?

Ja, Plattendruckversuche (dynamisch und/oder statisch) zum Nachweis der Verdichtung können Sie bei uns auch beauftragen. Je nach Aufbaustärke der Tragschicht sind auch Rammsondierungen als Nachweis geeignet.


Dynamische Plattendruckversuche (PDV)

Um die Druckfestigkeit sowie die Tragfähigkeit von Böden zu überprüfen, wendet man Plattendruckversuche an. Der dynamische Lastplattendruckversuch ist eine Methode, die mit einem Handgerät ausgeführt werden kann und kein Belastungsfahrzeug als Gegengewicht benötigt. Bei diesem Fallgewichtsgerät wird eine Belastungsvorrichtung mit einem 10kg-Gewicht (leichtes Fallgewicht) fallen gelassen und anschließend mit einem Präzisions-Beschleunigungssensor das Verhalten des Bodens per Messcomputer aufgezeichnet. Das Prüfverfahren eignet sich besonders gut für gemischt-/grobkörnige Böden oder Tragschichten unterhalb von Bodenplatten bzw. als Verdichtungsnachweis.


Muss ein/e Mitarbeiter/in der IWE bei Baubeginn anwesend sein?

Nein, das ist nicht nötig! Die Statik wird auf Basis der Gründungsempfehlung durch Ihren Statiker erstellt. Die Baustelle selbst wird dann von Ihrem Bauleiter oder Architekten überwacht. Wir stehen aber bei offenen Fragen oder zur finalen Abnahme der Gründungssohle (wenn der Erdaushub beendet ist) bereit, um die Ergebnisse der Geotechnischen Erkundung zu bestätigen.


Was ist Radon?

Bei Radon (Rn) [86] handelt es sich um ein natürlich vorkommendes, nicht wahrnehmbares radioaktives Edelgas. Es entsteht als Abbauprodukt aus Uran, welches in den verschiedensten Gesteinen der Erdkruste bzw. im Erdboden eingebunden ist. Besonders häufig tritt Radon in Regionen auf, wo sich Granite oder auch bindige Ablagerungen im Erdreich befinden. Radon-Gas lässt sich weder riechen, sehen noch schmecken. Dennoch kann es zu einem erheblichen gesundheitlichen Risiko werden. Besonders das Radon-Isotop Rn-222 ist sehr langlebig. Neben dem Rauchen ist es die zweit häufigste Ursache für Lungenkrebs.


Wie gelangt Radon in ein Gebäude?

Radon gelangt zusammen mit der Bodenluft an die Erdoberfläche und von dort aus schließlich in die Atmosphäre. Draußen im Freien ist es in der Regel vernachlässigbar, da es stark verdünnt wird und sich nicht anreichern kann. Dringt es jedoch aus dem Baugrund in ein Gebäude ein, und hat die Möglichkeit sich dort anzureichern, so kann es gesundheitliche Folgen für die Bewohner haben. Je länger man dieses Gas und seine radioaktiven Folgeprodukte einatmet, desto höher wird auch das Risiko zu erkranken.


Wovon hängt die Radonkonzentration in einem Gebäude ab?

Die Radonkonzentration in einem Gebäude hängt von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel:

• Wieviel Radon sich in der Geologie der Region befindet

• Wie gut das Radon aus dem Untergrund nach oben transportiert werden kann

• Wie stark ein Gebäude gegenüber dem Baugrund gasdicht isoliert ist • Auf welcher Etage sich der Wohnraum befindet (Keller und Dach sind meist betroffen)

• Wie frequentiert die Räume belüftet werden


Wie wirkt Radon auf den menschlichen Körper?

Das meiste Radon zerfällt bereits außerhalb der Lunge. Radon und seine Derivate (entweder direkt oder an Staub/Aerosole gebunden) gelangen mit der Atemluft in die menschliche Lunge. Aufgrund seiner kurzen Verweildauer und relativ langen Halbwertszeit zerfällt nur ein relativ geringer Teil des eingeatmeten Radons direkt in der Lunge. Beim Einatmen der kurzlebigen Zerfallsprodukte wie z.B. Polonium entstehen neben Beta- und Gammastrahlung allerdings auch die biologisch besonders mächtige Alphastrahlung. Insbesondere Alphastrahlung kann das Erbgut in den strahlenempfindlichen Zellen des Lungengewebes schädigen und zu Krebs führen.


Besteht ein Krebsrisiko durch Radon?

Langzeitbelastungen durch Radon, wenn auch bei niedrigeren Konzentrationen wie sie beispielsweise in Haushalten zu finden sind, können zu Vergiftungen bzw. zum Auftreten von Lungenkrebs führen. Es gibt keinen Beweis dafür, dass Radon unterhalb einer bestimmten Schwelle gefahrlos ist. Wenn die Radonkonzentration also in den Wohnräumen zunimmt, so steigt proportional dazu auch das Lungenkrebsrisiko.


Habe ich als Raucher ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko mit Radongas?

Ein deutlich größeres Risiko an Radon zu erkranken, besitzen Tabakkonsumenten, da das Rauchen und Radongas gegenseitig ihre negative Wirkung stärken. So geht man davon aus, dass sich das ohnehin schon hohe Lungenkrebsrisiko von Rauchern je 1.000 Bq / m3 verdoppelt. Radon im Innenraum gilt nach dem Rauchen also als zweithäufigste Ursache von Lungenkrebs. In Deutschland können laut einer Studie aus dem Jahr 2006 z.B. ca. 5 Prozent der Lungenkrebsfälle, also 1900 von 37000 Fällen, dem Radongas zugeschrieben werden.


Wie funktioniert eine Radongasmessung?

Hierbei gibt es multiple Möglichkeiten. Es gibt generell Innenraummessungen (in bestehenden Gebäuden) und Bodenluftmessungen (vor dem Neubau). Wir führen in-situ Bodenluft-Probennahmen durch. Hierbei wird mittels einer Bodenlanze und eines elektrischen Luftansauggerätes durch eine Messsonde Bodenluft aus dem Erdreich angesaugt. An das Bodenluftsystem wird dann ein Radongasmessgerät angeschlossen, um die Radongas-Konzentration in der Bodenluft zu ermitteln. Dieses Messgerät misst schließlich den Alpha-Zerfall der kurzlebigen Radonisotope um damit die Isotope Rn-222 und Rn-220 (Thoron) bestimmen zu können.

Diese Messungen in der Bodenluft dauern ungefähr 40 – 60 min und stellen eine Momentaufnahme der Radonkonzentration im Boden dar. Von den ermittelten Werten lässt sich so ein Gefährdungspotential ableiten und eine Empfehlung zu ggfs. notwendigen Maßnahmen (Abdichtungen, Schutzvorkehrungen) aussprechen.

Für Innenraummessungen können auch andere Geräte eingesetzt werden, die direkt die Innenraumluft messen. Damit lässt sich die direkte Exposition gegenüber Radongas im Innenraum (z.B. am Arbeitsplatz oder Wohn- und Schlafbereich) ermitteln. Sie eignen sich besonders gut, um einen ersten Überblick (sog. Screening) über die Radon-Konzentration in einem Gebäude/Grundstück zu sowie den Schwankungsbereich erhalten. Die Messintervalle können zeitlich flexibel gestaltet werden (grundsätzlich empfehlen wir eine längere Messdauer bei Innenraumluftmessungen).


Welche Richt-/Grenzwerte existieren in Deutschland?

Das Strahlenschutzgesetz welches am 31.08.2018 verabschiedet wurde, legt für die Radon-222-Aktivitätskonzentration in der Luft in Aufenthaltsräumen nebst Arbeitsplätzen, den Referenzwert von 300 Bq/m3 fest (Stand 2022). Dabei handelt es sich allerdings nicht um einen Grenzwert, sondern um einen Orientierungsmaßstab der aus einer Abwägung zwischen Gesundheitsschutz, praktischer Umsetzbarkeit, sowie der Kosten der Schutzmaßnahmen eruiert wurde. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät allerdings schon dazu einen Wert von 100 Bq/m3 (Stand 2022) nicht zu überschreiten.


Befinde ich mich in einem Radon-Vorsorgegebiet?

Nach § 121 des Strahlenschutzgesetzes spricht man bei Radonvorsorgegebieten von Zonen, in denen erwartet wird, dass die über das Jahr gemittelte Radon-Aktivitätskonzentration den Wert von 300 Bq/m3 (Stand 2022) in Innenräumen recht sicher überschreitet. Es handelt sich dabei nicht um einen Grenzwert, sondern lediglich um einen vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) festgelegten Referenzwert. Das zuständige Amt stuft das Gebiet dann (oft unter Zuhilfenahme geochemischer Karten für Uran, der Vorhersage des BfS und einer festgelegten Flächen-Mindestgröße– wie z.B. in BaWü) als Radonvorsorgegebiet ein. Eine entsprechende Übersichtskarte können Sie hier einsehen. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass allerdings auch in vielen anderen Gebieten und Regionen die Radongasbelastungen erheblich sein können. Wir gehen daher davon aus, dass bei besserer Datengrundlage in Zukunft noch weitere Radonvorsorgegebiete ausgewiesen werden. Die Messwerte können auch lokal stark variieren. Dies hängt zum einen an der Geologie und ebenso an den Klüften im Untergrund, an denen das Gas z.B. viel einfacher und in größerer Menge austreten kann.